Pages to the People

Schreiben

Es gibt Momente, da tropfen die Worte aus mir heraus. Einfach so. Dennoch braucht es Mut, sie aufzufangen, damit sie nicht zerinnen. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob ich es bin, die schreibt oder ob die Worte mir - woher auch immer - zufallen, ob ich sie finde oder erfinde. Leben ist bunt, vielfältig, plural, komplex und dadurch oft unübersichtlich, fordernd, überfordernd, schwierig, aber auch überraschend. Wer kann schon sagen, warum er_sie ist, wie er_sie ist, warum er_sie fühlt, wie er_sie fühlt, warum er_ sie denkt, wie er_sie denkt? Es ist unmöglich in Gänze nachzuvollziehen, wie wir das geworden sind, was wir geworden sind, noch unmöglicher absehen zu können, was wir noch werden werden. Wir sind von Anfang an hineingewoben in Texte im eigentlichen Wortsinn, in Gewebe, in in einander Verflochtenes, welche wir selbst nicht verantworten. Wir sind selbst Teil der Verflechtungen von "Du" und "Ich", werden erst "Ich" durch das "Du". Wir sind Teil der Verflechtungen von Gedanken und Ideen, von Bildern und Eindrücken..., schreiben uns ein und werden geschrieben in und durch die Geschichten, die das Leben schreibt.

Und immer ist da die Frage nach dem Sinn, nach der Möglichkeit, ja zu sagen zu diesem Leben und einer Welt, in der soviel Unsägliches zum Himmel schreit und die Schreie so oft ungehört verhallen.

Mein Schreiben war und ist oft ein Schreien, wenn auch verbunden mit der kleinen Chance, dass jenes nicht im bedrückend lähmenden Schweigen der Verletzungen verschwindet, ein Versuch, ein Ringen um Worte, ein Ausweg aus der Sprachlosigkeit, aus dem Verstummen und manchmal auch Ausdruck von Freude und der Lust am Leben. Es erzählt Geschichten vom Leben und meine Geschichte. Es erzählt von Glück und tiefer Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, nach menschlicher Nähe und Freiheit, Geschichten vom Suchen und immer wieder ein bisschen vom Finden und dann wieder vom Verlieren, Zerinnen, Scheitern, aber auch vom Gelingen, von Momenten des unbändigen Vertrauens und von Momenten des radikalen Zweifelns, des Ver-zweifelns am Leben, an der Welt und an Gott. Aber es erzählt auch immer wieder Geschichten von der Hoffnung, die oft genug "nur" eine tiefe Sehnsucht ist, auf einen Gott, der über die menschlichen Möglichkeiten hinaus, doch nicht über die menschliche Freiheit hinweg, unendlich viele Möglichkeiten hat, jede_n einzelne_n bedingungslos anzunehmen, gutzuheißen, das Verlorene zu retten, die Entrechteten ins Recht zu setzen, die in den Schatten Gestellten ins rechte Licht zu rücken, die Weinenden zu trösten, die Geschundenen zu heilen, die Verzweifelten für das Leben zu gewinnen und allem Scheitern doch noch irgendwie zum Gelingen zu verhelfen.

 

 

 

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